„Alles gemeldet, alles bezahlt“

Kanzlergattin Martina Ludwig-Faymann arbeitete für eine Firma, hinter der die Heute-Eigentümer stehen

Aus FALTER 40/11

Martina Ludwig-Faymann ist eine vielbeschäftigte Frau. Die Kanzlergattin, 44, ist Wiener SPÖ-Gemeinderätin, Mitglied des Bezirksfrauenkomitees Favoriten, des Bundesfrauenkomitees der SPÖ und Vorsitzende des Vereins Wiener Frauenhäuser.

In ihrem Nebenberuf als Journalistin übernahm sie im Sommer 2010, ausgerechnet im anlaufenden Wien-Wahlkampf, ein ambitioniertes einjähriges Projekt: den redaktionellen und grafischen Relaunch von Fair Wohnen, dem Mitgliedermagazin der SPÖ-nahen Mietervereinigung, das eine Auflage von 80.000 Stück hat.

Das Brisante an dem Job: Hinter dem Verlag, für den Ludwig-Faymann laut eigener Auskunft bis Juni gearbeitet hat, stehen dieselben Eigentümer wie hinter der Gratiszeitung Heute.

Es ist ein, gelinde gesagt, heikler Zeitpunkt, an dem diese Verbindung bekannt wird. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auf Anzeige der FPÖ wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch und Untreue gegen den Kanzler: Als Verkehrsminister soll er zwischen 2007 und 2008 Staatsbetriebe zu Inseraten gedrängt haben. Zudem wird ein U-Ausschuss seine Nähe zum Boulevard vermessen. Neben Krone und Österreich wird es dabei vor allem um sein Verhältnis zu Heute gehen. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung; für die FPÖ gilt die Vermutung, sie möchte von eigenen Skandalen ablenken.

Ist das Engagement der Kanzlergattin für die Heute-Eigentümer nur ein Fall schlechter Optik? Oder profitiert die Familie Faymann über diesen Umweg von der Inseratenpraxis der SPÖ? Oder handelt es sich schlicht um einen unbedeutenden Zufall?

So stellt es jedenfalls Martina Ludwig-Faymann dar. “Es gab keine Unvereinbarkeit. Ich habe für die Mietervereinigung gearbeitet. Mit Heute habe ich nichts zu tun“, sagt sie. Sie habe “alles gemeldet, alles bezahlt“ und “ein tolles Produkt“ vorzuweisen: “Ich habe mein Leben lang als Journalistin gearbeitet. Habe ich jetzt Berufsverbot, weil mein Mann Kanzler ist?“ Die Gegenfrage, ob sie sich als Journalistin nicht dafür interessiere, für welchen Eigentümer sie arbeitet, beantwortet sie so: “Ich habe mir die Frage nicht gestellt. Natürlich nicht.“

Dabei wäre die Verflechtung zwischen ihrem vorübergehenden Arbeitgeber und Heute mithilfe des Firmenbuchs leicht zu eruieren gewesen. Geschäftsführer jener QMM Quality Multi Media Gmbh, die Fair Wohnen produziert, ist der SPÖ-nahe Wirtschaftstreuhänder Günther Havranek, 100-Prozent-Eigentümer die Periodika Privatstiftung.

Die Zeitung Heute, die im AHVV Verlag erscheint, gehört zu 26 Prozent dieser Periodika-Stiftung und zu 74 Prozent dem Fidelis Verlag. Der befindet sich im Besitz von Günther Havranek (51 Prozent) und, erraten, der Periodika (49 Prozent). Damit besitzt diese 62,26 Prozent an Heute, den Rest hält Havranek, der sich nicht äußern will: “Ich spreche nur mit Journalisten, die ich gut kenne.“

Beide, Heute wie QMM, gehören also der Periodika-Stiftung. Bloß wer bei dieser die Fäden zieht, ist ein gut gehütetes Geheimnis. “Was macht das für einen Unterschied, wenn ich und Wolfgang Jansky alles bestimmen?“, antwortete Heute-Chefin Eva Dichand vergangene Woche, bei den Medientagen auf die Offenlegung der Eigentümer angesprochen.

Interessant an Ludwig-Faymanns Engagement ist überdies, dass der rote Wiener Echo-Verlag das Magazin Fair Wohnen der Mietervereinigung (MV) bis zum Sommer 2010 produzierte. Insider berichten von Interventionsversuchen seitens der SPÖ Wien, das Blatt im Echo-Verlag zu halten.

“Mir hat das alte Magazin nicht ge-fallen“, sagt MV-Präsident und Wiener SPÖ-Gemeinderat Georg Niedermühlbichler. Ex-Faymann-Sprecher und Heute-Geschäftsführer Wolfgang Jansky habe ihm im Sommer 2010 geraten, Fair Wohnen von QMM produzieren zu lassen. Ludwig-Faymann zufolge sei es auch Jansky gewesen, der sie angeheuert habe. Dieser ist für eine Stellungnahme nicht erreichbar. “Das fertige Produkt ist sehr gelungen und auch von den Kosten akzeptabel“, sagt der MV-Präsident.

Das erneuerte Magazin wirkt tatsächlich in Form wie Inhalt leserfreundlicher. Die politische Schlagseite ist hingegen die alte. Ob Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, Sozialminister Rudolf Hundstorfer oder eben Kanzler Werner Faymann – in jeder Ausgabe finden sich wohlwollende Artikel über führende Sozialdemokraten sowie dazu passende Inserate: Stadt Wien, Sozialministerium, Wiener Wohnbaustadtrat.

Im Impressum von Fair Wohnen tauchte Martina Ludwig-Faymann während ihrer Tätigkeit, die im Juni geendet habe, jedenfalls nicht auf. Auch hat sie ihren vorübergehenden Arbeitgeber in ihrer Erklärung zu Nebenbeschäftigungen, die sie als Gemeinderätin abgeben muss, nicht angegeben. Dort steht seit dem 15. Dezember 2010 nur “Redakteurin“.

Ihr Mann, sagt Ludwig-Faymann, sei über den Job informiert gewesen. Er will dazu keine Stellung nehmen. Ob das Engagement im Unvereinbarkeitsausschuss des Wiener Gemeinderats zur Sprache kommt, ist fraglich: Martina Ludwig-Faymann vertritt dort die SPÖ.

This entry was posted in Uncategorized and tagged , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *