Grasser-Gegner Ramprecht: „Ich werde weiterhin sagen, was ich weiß“

aus FALTER 29/10

Bei brütender Hitze endete am vergangenen Freitag das Medienrechtsverfahren, das Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser gegen seinen früheren Mitarbeiter Michael Ramprecht angestrengt hatte, mit einer Teilverurteilung. Ramprecht wurde wegen übler Nachrede schuldig gesprochen, weil er die Privatisierung der Bundeswohnungen im profil als „abgekartetes Spiel“ bezeichnet hatte. Ramprecht hat gegen das Urteil berufen. Die Vorwürfe gegen Grasser und seinen heutigen Geschäftspartner und Ex-Buwog-Aufsichtsratschef Ernst Plech, die Ramprecht auch in diesem Interview erhebt, haben die beiden bislang stets bestritten. Es gilt die Unschuldsvermutung. Der Falter identifiziert sich nicht mit Ramprechts Aussagen.

Falter: Herr Ramprecht, wie bewerten Sie das Urteil?

Michael Ramprecht: Das Eigenartige an dem Urteil war, dass ich es schon am Tag zuvor kannte. Somit war der letzte Verhandlungstag eine Farce.

Woher kannten Sie das Urteil?

Ramprecht: Diese Quelle darf ich nicht preisgeben. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass die Causa dem Richter um eine Nummer zu groß war und er einfach rauswollte. Deshalb hatten wir auch ein Schiedsrichterproblem.

Behaupten Sie gar, dass es politischen Druck auf den Richter gab?

Ramprecht: Jeder gelernte Österreicher weiß, dass es einen politischen Schutz für Karl-Heinz Grasser gibt. Man braucht sich nur anzusehen, wie er etwa auf Schüssels Geburtstag hofiert wird. Den Druck kriegt jeder mit, also wird das auch der Richter Wagner mitbekommen haben.

Sie wurden teils freigesprochen und dürfen nun sagen, dass Grasser die Entscheidung, dass die Lehman-Bank den Auftrag der Privatisierung erhalten hat, beeinflusst hat?

Ramprecht: Genau, diese Entscheidung war ja auch geschoben. Mittlerweile gibt es sogar die Aussage des Herrn Wilfried Trabold, der Vorsitzende der damaligen Vergabekommission. Der war jahrelang im Finanzministerium und gilt als unbestechlicher Experte. Auch er sagt, dass die Vergabe an die CA-IB beschlossen war und umgedreht wurde.

Sie galten im Kabinett Grasser als der Umsetzer. Haben Sie sich aus dieser Zeit etwas vorzuwerfen?

Ramprecht: Bis zu dem Zeitpunkt der Buwog-Privatisierung hatte ich immer das Gefühl, dass es uns um die Sache geht. Deshalb habe ich auch das Nulldefizit erfunden. Das war eine Message, die die Menschen verstanden und die sie auch wollten. Ich war damals sehr idealistisch, denn wir wollten etwas verändern. Ich dachte mir damals auch, dass es schon einen guten Grund geben wird, warum es Lehman werden musste. Also habe ich es zügig umgesetzt. Als ich dann informiert wurde, dass Grasser dahinterstecken soll und dass es darum ging, dass „der Richtige“ den Zuschlag bekommt, war ich sehr enttäuscht.

Sie dürfen zwar nicht mehr behaupten, dass die Buwog-Privatisierung ein abgekartetes Spiel war, bleiben aber anscheinend bei Ihrer Meinung.

Ramprecht: Ich habe meine Meinung gebildet und hoffe, dass die Gerichte den Sachverhalt endlich prüfen!

Bei den Buwog-Ermittlungen sind Sie nun selbst Beschuldigter. Was wird Ihnen vorgeworfen?

Ramprecht: Dass ich dem Herrn Grasser bei der Untreue geholfen habe. Untreue wird dann schlagend, wenn es eine Schädigungsabsicht gibt. Bei Grasser und Plech gab es vielleicht eine Bereicherungsabsicht, sonst hätten sie das Ganze ja auch nicht gemacht. Ich habe damals aber angenommen, die Entscheidungen hätten sachliche Gründe. Ich wollte nie mitprofitieren, obwohl man mir zehn Millionen Schilling angeboten hat.

Wer hat Ihnen damals zehn Millionen Schilling geboten?

Ramprecht: Ernst Plech. Und als ich abgelehnt hatte, ließ Plech mir ausrichten, dass er mich und meine Familie vernichten würde, wenn ich ihn anzeige.

Stimmt es, dass bei Ihnen eine Hausdurchsuchung stattgefunden hat?

Ramprecht: Ja. Die Herren kamen um neun Uhr früh. Sie haben meine Wohnungen und Büros verplombt und mein Notebook mitgenommen. Dabei wäre ich doch der Erste, der ihnen Beweismittel bringen würde.

Sie sagten am Ende des Prozesses, dass Sie weiterkämpfen werden.

Ramprecht: Ich werde auch weiterhin vor jedem Richter, vor jedem Staatsanwalt sagen, was ich weiß.

Glauben Sie, dass etwas an Karl-Heinz Grasser hängenbleiben wird?

Ramprecht: Hundertprozentig. Es ist ja schon jetzt ein Vielfrontenkrieg. Dabei ist noch längst nicht alles heraußen. Das dicke Ende für Grasser kommt noch.

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