Österreich oder Kosovo: Arigonas Wahl zwischen Pest und Cholera

aus FALTER 28/10

Arigona Zogaj ist Geschichte. Vorläufig zumindest. In diesen Tagen wird die 19-Jährige ihre Heimat Österreich verlassen, um in ihre Heimat Kosovo zurückzukehren. Ein paar werden ihr nachweinen, andere hinterhertreten, wie das halt so ist.

Bis sie womöglich einen legalen Weg zurückfindet, wird es jedenfalls ruhig werden um Arigona Zogaj. Aus den Augen, aus dem Sinn. Wenn man an diesem Punkt innehält und die beiden Länder betrachtet, muss man sagen: Arigonas Wahl zwischen Österreich und dem Kosovo war eine Wahl zwischen Pest und Cholera.

Freilich, nur ein Narr könnte die beiden Staaten miteinander vergleichen. Im Gegensatz zum Kosovo sind in Österreich die am besten qualifizierten Politiker an der Macht, nicht die willfährigsten. Wer sich als inkompetent erweist, wird abgewählt. Unter ihnen herrscht keine Korruption, und Privatisierungen laufen supersauber ab, hier wirtschaftet niemand in die eigene oder des Freundes Tasche und schon gar nicht ganze Bundesländer in den Ruin.

Und falls auch nur die leiseste Ahnung einer Unregelmäßigkeit zutage tritt, dann geht in Österreich eine unabhängige, bestens ausgestattete Justiz ans Werk. Da gibt’s kein Kaffeeplauscherl mit der Justizministerin, keine Freundschaftsdienste von der Polizei, kein Aussitzen von Untersuchungsausschüssen.

Österreichs Wirtschaft ist zudem weder von Freunderln noch von Vettern unterlaufen. Dass jemand den Kurs von Aktien manipuliert oder marode Banken als Goldgruben tarnt und verkauft? Ja wo kämen wir denn da hin! Wir kaufen weder unnützes Kriegsgerät, noch verdrängen wir unsere Kriegsvergangenheit. Denn schon als man uns von den verhassten Nazis befreit hatte, konnte niemand etwas werden, der im Dienst von Mördern gestanden hatte.

Im Gegensatz zum Kosovo tritt man anderen Religionen und anderssprachigen Minderheiten gegenüber hierzulande total entspannt auf, man schimpft nicht reflexartig auf Brüssel oder auf irgendeinen Nachbarstaat. Und rausgeschmissen werden ausnahmslos Scheinasylanten. Irrt sich ein Innenminister doch, und das ist ja menschlich, dann lädt er sie ein, zurückzukommen oder er wird zur Rechenschaft gezogen, egal wie lange es her ist. Denn Recht ist Recht, zumindest in Österreich.

Nein, eine Wahl zwischen Pest und Cholera war Arigonas Entscheidung zwischen Österreich und dem Kosovo nicht wegen solcher nichtexistenter Parallelen. Sondern weil auch im Kosovo nichts Gescheites im Fernsehen läuft.

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