„Freundschaftlicher Rat“

Die Wirtschaftsuniversität sucht ein neues Quartier. Der Trauzeuge Karl-Heinz Grassers bekommt bei dem Deal 708.000 Euro Provision. Der WU-Rektor weiß nicht, wofür. Die Fahnder ermitteln wegen Untreue

aus FALTER 21/10, gemeinsam mit Florian Klenk

Sag noch einer, die Justiz schone die Freunde von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Am 26. Jänner ordnete Ankläger Gerald Denk sogar die Einsetzung eines IMSI-Catchers an. Dieses polizeiliche Überwachungsgerät gibt vor, ein Handymast zu sein, und fängt alle Telefongespräche in seiner Umgebung ab.

Nicht nur vor dem Döblinger Anwesen von Grassers Trauzeugen Walter Meischberger stellte die Sondereinsatzgruppe Observation den Lauschmasten auf. Auch die Telefonate des Wiener Immobilienmaklers und einstigen FPÖ-Sponsors Ernst Karl Plech, heute Betreiber einer Immobilienfirma mit Grasser, wurden abgehört.

Der Verdacht: Makler Plech, von Grasser einst als Aufsichtsrat der staatlichen Immobiliengesellschaften Buwog und BIG eingesetzt, soll sein Insiderwissen für private Geschäfte genützt und dabei gemeinsam mit seinen Freunderln „Kickbacks“ verdient haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue. Meischberger und Plech, so der Wunsch der Kriminalpolizei, sollten sogar in U-Haft genommen werden. Doch so weit wollte die Justiz nicht gehen.

Bekannt wurde der Verdacht das erste Mal rund um den Verkauf von 60.000 Buwog-Wohnungen. Meischberger kassierte bei dem 960-Millionen-Euro-Deal gemeinsam mit seinem Freund, dem PR-Profi Peter Hochegger, rund zehn Millionen Euro Schwarzgeld, weil er Insiderinformationen aus dem geheimen Bieterverfahren an die siegreiche Immofinanz weitergereicht haben soll.

Das Schwarzgeld, so Meischberger, lag auf mehreren Konten, auf die Ex-Buwog-Aufsichtsratschef Plech später zugreifen durfte. Plech bekam sogar ein halbes Boot in Ibiza geschenkt. Plechs Anwälte bestreiten, dass ihr Mandant Geheimnisse verraten oder Schwarzgeld angetastet habe.

Nun spüren die Fahnder einem weiteren Provisionsgeschäft nach: Diesmal geht es um den Verkauf einer Liegenschaft der Telekom in der Nordbergstraße 15, wo heute unter anderem die Wirtschaftsuniversität (WU) eingemietet ist. Der Staat soll dabei massiv geschädigt worden sein, so der Verdacht. Auch bei diesem Deal kassierte Meischberger eine Provision. Diesmal waren es 708.000 Euro.

Warum ausgerechnet er? Er habe, so verriet Meischberger der Kripo, das Immobiliengeschäft zwischen Telekom und Porr gemeinsam mit Ernst Karl Plech eingefädelt und „die Mieter (also die WU, Anm. der Red.) vermittelt“. Den „Rechnungsbetrag“ habe er „mit Ernst Plech oder einer seiner Firmen anteilsmäßig geteilt“. So das Einvernahmeprotokoll vom 10. November 2009.

Diese Aussage irritiert nun WU-Rektor Christoph Badelt: „Ich kenne Herrn Meischberger nicht. Er hat mit uns nie Kontakt aufgenommen, und er hat für uns auch nichts vermittelt.“ Badelt wundert sich, dass er nie von der Justiz dazu befragt worden ist. Der Rektor erzählt nämlich eine ganz andere Version der Geschichte. Die völlig überlastete WU habe nach einer Immobilie gesucht. Eine Betriebsrätin der WU habe daraufhin in ihrem privaten Umfeld den Hinweis aufgeschnappt, dass das benachbarte Objekt der Telekom in der Nordbergstraße zu haben sei. Badelt: „Ich bat daraufhin die staatliche Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), mit der Telekom in Verhandlung zu treten.“

So geschah es auch. Badelt: „Als das Paket fast vor dem Abschluss stand, erklärte mir der damalige Telekom-Vorstandschef Heinz Sundt, dass die Liegenschaft nicht an die BIG verkauft werden sollte, sondern eine andere Lösung gefunden worden sei, die aber der WU nicht zum Nachteil gereichen werde.“ Die WU-Vertreter merkten erstaunt, dass die Porr der WU die gleichen Konditionen anbot wie vorher die staatliche BIG.

Eine Indiskretion? Der damalige BIG-Geschäftsführer Chromy sei über die Umstände des Deals höchst verwundert gewesen, berichtet Horst Breitenstein, damals Vizerektor der WU. Breitenstein wunderte sich, „dass die BIG damals nichts unternommen hatte“, sie war ja die Geschädigte. Ein Sprecher der BIG erklärt heute, es habe „mehrere Verhandlungsrunden“ gegeben. „Der Preis wurde allerdings von der Telekom immer wieder nach oben lizitiert.“

Was Badelt und Breitenstein damals nicht wussten: Die siegreiche Porr zahlte dem Lobbyisten Meischberger über eine Zwischenfirma für die Vermittlung des Deals 708.000 Euro, die dieser laut eigenen Angaben mit Plech teilte. Hier wird das Geschäft womöglich kriminell: denn Plech saß zu jener Zeit als Vertrauter von Grasser im Aufsichtsrat der BIG. Er war ein Kontrollorgan des Staates und hatte wohl Kenntnis von den Verhandlungen zwischen BIG und der Telekom.

Hat Plech also sein Insiderwissen an die Konkurrenz (Porr) weitergereicht, um gemeinsam mit Meischberger selbst Kasse zu machen? Meischberger sagt selbst aus, dass das Projekt „gemeinsam mit Ernst Plech oder einer seiner Firmen“ abgewickelt wurde. Nun durchsuchten die Fahnder Plechs Büros und starteten eine Steuerprüfung. Plech, so sagt ein Insider des Falles, griff daraufhin zum Hörer und beklagte sich bei Meischberger.

Danach geschah Merkwürdiges. Am dritten Jänner 2010 änderte Meischberger seine Aussage. „Ernst Plech war nicht, wie fälschlich von mir angegeben, ein wirtschaftlicher Teil dieses Projekts, sondern ich habe das Projekt alleine abgewickelt und Plech lediglich hin und wieder um seinen freundschaftlichen Rat befragt.“

Kommerzialrat Ernst Plech, der nun im Verdacht steht, die staatliche Immobiliengesellschaft BIG geschädigt und dafür privat Geld kassiert zu haben, ist laut seines Anwalts zu keiner Stellungnahme bereit. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung

Lobbyist Walter Meischberger beteuert, er habe nichts Kriminelles getan, sondern für die Telekom einen besseren Preis vermittelt. „Wo bitte“, sagt Meischberger, „ist also euer Problem?“

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