Zur Vorbeugung gegen Islamophobie: ein Tag der offenen Moschee

aus FALTER 14/10

Eine Reisegruppe muslimischer Jugendlicher hat im spanischen Córdoba einen Eklat verursacht. Beim Besuch in der Mezquita-Kathedrale fingen Dutzende der 118 Besucher, von Spiritualität überwältigt, zu beten an (siehe S. 17). Lässt man die folgende Rangelei sowie die wechselvolle Geschichte der Kathedrale außer Acht, so haben die Muslime einen richtigen Schritt getan: nämlich jenen in ein „fremdes“ Gotteshaus.

Es braucht weder statistisches Material noch Wagemut, um zu behaupten, dass nur eine Minderheit aller Österreicher außerhalb des Türkeiurlaubs jemals einen muslimischen Gebetsraum betreten hat, geschweige denn jenen im eigenen Hinterhof. Auf dieses gefährliche Paradoxon – größtmögliche Nähe bei größtmöglicher Distanz – setzt auch Heinz-Christian Strache. Seinem Haus- und Hofdichter Herbert Kickl wird wohl auch im Wien-Wahlkampf kein Abendlandreim zu blöd sein (Stichwort: Pummerin statt Muezzin).

Die Muslime werden sich empört zeigen; Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) wird von den Chancen der Vielfalt sprechen; und allzu viele Wähler werden im Rhythmus der antiislamischen Eskapaden nicken.

Deshalb ein Vorschlag, um dem drohenden Islamophobiewahlkampf entgegenzuwirken: ein Tag der offenen Tür in Wiens Moscheen.

SPÖ, Grüne und ÖVP könnten mit einem gemeinsamen Auftreten die erwartete Reimhetze entkräften. Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, könnte vor seinem Abtritt noch einen öffentlichkeitswirksamen und ausnahmsweise positiven Auftritt absolvieren. Gläubige Muslime könnten ihren Nachbarn zeigen, woran ihnen viel liegt. Und der seit 9/11 besorgte Wiener wüsste endlich, was die bärtigen Herren freitags im Hinterhof treiben.

Moscheen, die die Tür geschlossen halten, würden sich im Kampf der Dialoge selbst disqualifizieren. Ebenso wie jene, die sich über Gutmenschen und Multikulti lustig machen würden.

Häupl hat die Idee beim letztwöchigen Falter-Gespräch interessiert aufgenommen. Dem Vernehmen nach arbeitet SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi, der gleichzeitig Integrationssprecher der Islamischen Glaubensgemeinschaft ist, bereits an der Umsetzung.

Zur Klarstellung: Niemand erwartet, dass sich Gastgeber und Besucher mit Blickrichtung Mekka in den Armen liegen. Andererseits ist aber auch kein Eklat wie jener in Córdoba zu befürchten. Die wenigsten Nichtmuslime werden, von Spiritualität überwältigt, zu beten beginnen.

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