Liebe, Sex und Smartphone

Verliebte haben seit jeher leichtsinnig gehandelt. Heute aber bleiben
davon mitunter Nacktfotos im Internet zurück – meist für immer.

4-2014-liebe-sex-smartphone-01-517aus DATUM 04/14

Er sagte zu Emma, dass alle es tun. Dass es normal sei, das Normalste auf der Welt. Für Emma war all das neu und deshalb nichts normal. Es war ihre erste Verliebtheit, ihre erste Romantik, ihre erste Beziehung. Die 13-Jährige besuchte eine Neue Mittelschule, er war 16, ein Lehrling. Beide lebten sie in einem kleinen Dorf unweit von Wien. Sie gingen schon ein paar Wochen miteinander, da sagte er, Emma, wenn du es nicht tust, dann ist es aus mit uns, vorbei. Also tat sie es. Sie versperrte die Tür, zog sich aus, entriegelte ihr Smartphone und begann sich zu berühren.

Einen Monat später war es trotzdem aus. Für Emma war es das Ende der Welt, und was von der Jugendliebe übrig blieb, waren ein gebrochenes Herz und eine Handvoll pornografische Fotos einer 13-Jährigen auf dem Handy eines 16-Jährigen.

Vielleicht wollte er sie verletzen, vielleicht wollte er einfach nur angeben. Nach ein paar Tagen schickte er die Fotos via Whatsapp, eine Art SMS-Dienst, an Freunde weiter. Klick, Klick, Klick, und das ganze Dorf hatte Emma so gesehen, Schüler und Lehrer, Billa-Verkäufer und Bauarbeiter. Streng genommen hatten sich die Beteiligten, je nach Mitwirken, des Besitzes, des Konsums und der Weitergabe von kinderpornografischem Material nach Paragraf 207a Strafgesetzbuch schuldig gemacht. Aber so streng hat es keiner genommen, außer Emma, für sie endete die Welt ein zweites Mal.

Der Name Emma ist erfunden. Die Geschichte ist es nicht, sie ist eine von vielen, die zu hören bekommt, wer nachfragt, wenn Lehrer von »noch so einem Fall« erzählen, wer sich mit Kinder- und Jugendanwaltschaften zusammensetzt, mit Medienpädagogen und Juristen spricht, mit Eltern und Betroffenen. Sie verwenden Worte wie »Sexting« (das Herstellen und Versenden von intimem Bildmaterial), Cybermobbing (Schikanierung mithilfe Neuer Medien) und Revenge Porn (das Hochladen von Sexvideos als Rache an seinem Ex), exotische Worte, die nach Zukunft klingen und nach Unheil. Weiterlesen

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„Es ist egal, wie es Fidel geht“

Die Karibikinsel gleicht im 55. Jahr der Revolution einer geschlossenen Gesellschaft. Doch am Montag tritt ein Gesetz in Kraft, das die Reisebeschränkungen für die Bevölkerung teilweise aufhebt.

Stefan Apfl, Havanna, aus DIE PRESSE AM SONNTAG, 13.01.2013

Es ist 23.00Uhr, am Montag, dem 31. Dezember, im 54. Jahr der Revolution.“ So beginnt der Silvestercountdown im staatlichen kubanischen Radio. In den malerisch verwahrlosten Gassen von Habana Viejo, dem alten Havanna, ist die Hitze des Tages noch zu spüren. Es riecht nach Müll, nach Kot, nach Armut. In den Bars wird bereits ausgelassen gefeiert und von irgendwoher dringt der Rhythmus von „Chan Chan“, dem Hit aus „Buena Vista Social Club“, von dem man hier meint, dass die „Extranjeros“, die Fremden, ihn so gern hören. Was auch stimmt – zumindest die ersten zwanzig Mal.

Ein junges Pärchen, höflich und elegant gekleidet, erklärt den Besuchern aus Österreich ungefragt, wie der UNESCO-zertifizierten, aber ruinösen Innenstadt, einst mit den Zuckerprofiten der Imperialisten erbaut, mithilfe von Devisen der Fremden wieder zu altem Glanz verholfen werden soll. José und Mary, wie sie sich uns vorstellen, beide Studenten der Medizin, wirken interessiert, gebildet, offen. Sie haben nicht nur eine Meinung darüber, dass sie Reis mittels Bezugsscheinen erhalten, dass sie als Ärzte umgerechnet einen Dollar am Tag verdienen werden und ihnen nicht nur das World Wide Web, sondern auch die „echte“ Welt da draußen vorenthalten wird. Sie sprechen diese Meinung auch aus. „Dieses Land muss sich ändern“, sagt José. Seine Verlobte nickt zustimmend: „Das nächste Jahr wird entscheidend für die Revolution. Oder gegen sie.“ Weiterlesen

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Im Rausch des Untergangs

Weltweit sinnieren Menschen in diesen Tagen über den Weltuntergang – inspiriert vom Kalender der Maya. In Mexiko, der Heimat der einstigen Hochkultur, begeben sich Endzeittouristen in einen Dauerrausch.

Stefan Apfl, Palenque, für Spiegel Online, 21.12.2012

Vorhin hat Nahun vor betrunkenen Briten seinen Kriegstanz aufgeführt, morgen ist er für die Passagiere eines Kreuzfahrtschiffs gebucht, aber zunächst einmal ist der junge, torkelnde Tourist dran. “Dies ist dein Moment. Dieser Moment ist alle Momente”, sagt Nahun zu Michael und zieht an dessen Joint. Er umarmt den sedierten Amerikaner und greift ihm dabei in die Hosentaschen.

Eine schwüle, sternenklare Nacht am Strand von Tulum, im tropischen Süden Mexikos. Einen Fußmarsch von hier thronen die weltbekannten Maya-Ruinen über der kitschig schönen Karibikküste. Seit jeher fasziniert die untergegangene Hochkultur, ihre Schriften, ihre Bauten, Menschen weltweit. Ihr Kalender sorgt dafür, dass sich nun Millionen mit der Idee des Weltunterganges beschäftigen, und wohl nirgendwo sonst berauschen sich Menschen derart an der Mystik der Apokalypse wie hier: in der Heimat der Maya.

In Sichtweite von Nahun und Michael stecken eine Handvoll Amerikaner die Köpfe zusammen und fassen einander an den Schultern. Sie sehen aus wie Footballspieler, aber sie miauen und bellen. Dahinter sind im Dunkeln Gestalten zu sehen, die sich Kokain durch Holzröhrchen in die Nase ziehen. Und aus dem Palmenhain dringt Stöhnen.

“Und jetzt gib mir Geld”, sagt Nahun, “Cash, Cash, Cash!” Der Maya greift sich den Schein, ohne ihn anzusehen, und verschwindet lachend im Dunkel der Nacht. Mit belegter Stimme ruft Michael ihm nach: “Gracias!”

Yucatán ist spirituelles Zentrum und Partyzentrale zugleich
Südmexiko in den Tagen vor “Mayageddon”, das heißt Party und Pulver, Sinnjagd und Sonnenbrand, Maya-Kitsch und Moskitos. Die Welt zelebriert den Countdown zu ihrem Untergang und Yucatán ist gleichermaßen spirituelles Zentrum und Partyzentrale. Da ist für jeden was dabei. Weiterlesen

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In den letzten Tagen der Menschheit

Wie nutzt man die Endzeit in Yucatan? Indem man bis zur nächsten Bewusstseinsebene feiert. Stefan Apfl berichtet aus der Partyzentrale des Weltuntergangs, wo DJs bis weit über das für den 21.12. prophezeite Mayageddon hinaus gebucht sind.

Stefan Apfl, Palenque, aus PROFIL, 20.12.2012

Es begibt sich an einem der letzten Tage der Menschheit, dass tief im Inneren des südmexikanischen Dschungels ein junger Mann, den sie Happy nennen, schreiend aus einem Fluss steigt.

Über einem der Wasserfälle meditiert ein sehniger Mann in Kranichstellung. Zu seinen Füßen bespritzen drei junge Frauen einander mit Wasser, während jemand kreischend an einem Seil über dem Fluss schwingt. Ein Glockenspiel, eine Flöte und ein vielstimmiges Summen dringen aus dem nahe gelegenen Palmenhain herüber.

Happy trägt schwarzes, halblanges Haar, einen dünnen Bart und sonst nichts am Leib, so wie alle, die sich hier waschen oder einfach plantschen. Allmählich wird das Schreien des Nackten zu einem Singen, sein Schütteln zu einem Tanzen. Jemand reicht Happy einen Joint, ein anderer umarmt ihn, ein Dritter gibt ihm ein Banjo. Man nennt das hier, beim „Global Rainbow Gathering“, dem weltweiten Regenbogentreffen, den „flow“ und einander Bruder und Schwester.

Nach wenigen Minuten haben sich ein Saxofonist aus Frankreich, ein Trommler aus Argentinien und ein Gitarrist aus den USA Happy angeschlossen. Mehr und mehr Geschwister strömen zur Musik. Am Ende spielen sie vor einer halben Hundertschaft Menschen, die mittanzen und mitsingen: „Every single cell in my body is happy“, singen sie. „Every single cell in my body is well.“

Der Countdown läuft
Es ist der 10. Dezember 2012 im Garten Eden, und der Countdown läuft. Zehn Tage sind es noch bis zum „Mayaged¬don“, also jenem Tag, an dem der Kalender der Maya endet. Hier, im tropischen Süden Mexikos, gelangte die indigene Hochkultur vor 1200 Jahren zur Blüte. Dieser Tage entwickelt die Region eine recht eigentümliche Art von Magnetismus, der Spiritualisten und Partykids, Maya-inclusive-Urlauber und Teilzeit-Aussteiger gleichermaßen anzieht.

Wer sich umtut auf der Halbinsel Yucatan, wer sich in entlegene Maya-Dörfer begibt, eine der zahlreichen Weltuntergangspartys besucht oder eine Weile im Garten Eden zubringt, dem stellt sich die Frage, was nach dem Countdown tat¬sächlich kommt. Der Weltuntergang? Oder bloß der große Kater? Weiterlesen

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„Die Justiz ist paranoid“

Patrick Frottier, Experte für Selbstmorde im Gefängnis, über die vertuschten Irrtümer, die dem rechten Amokläufer Johann Neumüller den angekündigten Freitod ermöglichten.

aus FALTER 50/11

Seit Patrick Frottier gemeinsam mit seinem Kollegen Stefan Frühwald in den 90er-Jahren begann, Selbstmorde im Gefängnis wissenschaftlich zu untersuchen, zählt er international zu den Vordenkern auf diesem Gebiet. Ein von ihm entworfenes Frühwarnsystem hat die Zahl der Suizide in heimischen Gefängnissen zwischen 2007 und 2010 fast um die Hälfte verringert. Umso erstaunlicher ist für den Psychiater die Vorgangsweise der Justiz im Fall von Johann Neumüller.

Falter: Der inhaftierte Mörder Johann Neumüller hat seinen Selbstmord schriftlich angekündigt und sich fünf Wochen später in seiner Einzelzelle erhängt. Wie kann so etwas passieren?

Patrick Frottier: Ob man seinen Suizid verhindern hätte können, entzieht sich meiner Kenntnis. Nach dem, was bekannt ist, gab es jedenfalls mehrere relevante Risikofaktoren. Weiterlesen…

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Ein rechter Amoklauf als “Nachbarschaftsstreit”?

Eine Woche, nachdem der Falter die Hintergründe des weitgehend unbekannten Falls des “Breivik aus Traun“ enthüllt hat, bleiben die zentralen Fragen in dem Drama unbeantwortet: Hat es sich bei Johann Neumüllers Amoklauf um eine rassistische Tat gehandelt? Und wäre sein angekündigter Selbstmord zu verhindern gewesen?

aus FALTER 50/11

Wie der Falter berichtete, hatten hohe Justizvertreter, darunter Karl Drexler, Leiter der Vollzugsdirektion, nach Neumüllers Selbstmord bestritten, dass es Hinweise auf Selbstgefährdung gegeben habe. Seine schriftliche Ankündigung, in der er um einen Strick gebeten hatte, wurde offenbar verdrängt. Nun legt Patrick Frottier, ein renommierter Experte zu Suiziden im Gefängnis, nach: “Es gab mehrere relevante Risikofaktoren. Irrtümer passieren. Sie zu leugnen, ist aber unklug“ (siehe Interview).

Das Justizministerium nahm den Falter-Bericht jedenfalls zum Anlass für eine Überprüfung. “Weil die Medien genau hingeschaut haben, schauen wir auch noch einmal genau hin“, sagt Peter Prechtl, stellvertretender Leiter der Vollzugsdirektion. Konkret soll eine interne “Fachgruppe Suizidprävention“ den Fall untersuchen. “Wir gehen aber nicht davon aus, dass es Unregelmäßigkeiten gab“, sagt Prechtl, ehe das Ergebnis feststeht.

“Angesichts der Umstände wurde alles getan, was getan werden konnte“, sagt Stefan Fuchs, Leiter der zuständigen Fachgruppe, nachdem er die Justizanstalt Linz, in der sich Neumüller in seiner Einzelzelle erhängt hatte, besucht und mit den Verantwortlichen gesprochen hatte.

Auch der Blick der Kriminalisten auf den Fall hat sich nicht geändert. Obgleich der Trauner den Amoklauf mehrere Jahre vorbereitet hatte, das Land laut Eigenaussage “von Ausländern befreien“ wollte und Ermittlern zufolge in der rechten Szene vernetzt war, will die Exekutive offiziell noch immer keinen rassistischen Tathintergrund erkennen. Es habe sich um einen “Nachbarschaftsstreit“ gehandelt, sagte Peter Gridling, Leiter des Verfassungsschutzes, am Montag in der ORF-Sendung “Thema“, die die Falter-Recherchen aufgegriffen hat.

Zumindest politisch dürfte der Fall indes nicht beendet sein. “Offensichtlich wird hier versucht, einen rassistisch motivierten Mord als Nachbarschaftsstreit zu bagatellisieren“, sagt Albert Steinhauser, Justizsprecher der Grünen, “wir werden parlamentarisch für Aufklärung sorgen.“

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Was heißt Futlapperl auf Englisch, Frau Wintersberger?

Seit via Profil bekannt wurde, dass eine Willkommenstafel am Wiener Flughafen, die Begriffe aus einem Deutsch-Österreichischen Wörterbuch zeigt, wegen Ausdrücken wie “Futlapperl“ zensiert werden soll, hat sich im Wiener Wasserglas ein Sturm ausgebreitet. Was sagt Astrid Wintersberger, neben H.C. Artmann Mitautorin des Wörterbuchs, dazu?

aus FALTER (50/11)

Was halten Sie von der Aufregung?

Nichts. Mein Werklein bekommt durch das Moment der Zensur etwas Aktionistisches. Ich habe es 1995 anlässlich des Österreich-Schwerpunkts bei der Frankfurter Buchmesse zusammengestellt. Es richtete sich an ein intellektuelles Publikum.

Waren Sie in die Konzeption dieser Tafel involviert?

Nur insofern, als ich die Begriffe in die neue Rechtschreibung bringen und die Übersetzung auf Englisch überwachen sollte. Die Idee war, die im Buch enthaltenen Wörter auf Österreichisch, Deutsch und Englisch abzudrucken. Dafür wurden vorab auch Begriffe gestrichen, etwa das Wort “neger“ für pleite.

Wie reagieren Sie auf den Vorwurf, es handle sich teilweise um fremden- und frauenfeindliche Begriffe?

Das ist Unsinn. Ein Wörterbuch erklärt Begriffe. Es ist nicht dazu da, um zu beurteilen, ob die Verwendung dieser Begriffe politisch korrekt ist. Durch diese Aufregung wächst mir das Wort “Futlapperl“ sogar langsam ans Herz. Es ist ja kein frauenfeindlicher Begriff. Unter B findet sich etwa das Wort Beidl. Die dialektale Bezeichnung von Geschlechtsteilen gehört einfach zum Sprachschatz dazu. Ob man das auf einem Flughafen abdrucken muss, ist eine andere Frage.

Wie wurde das Wort Futlapperl ins Englische übersetzt?

Es wurde immer der deutsche Ausdruck ins Englische übersetzt, in diesem Fall Schamlippe, also labium.

Fällt Ihnen für die aktuelle Aufregung ein wienerischer Begriff ein?

Das passende Wort wäre wohl “Lercherlschas“.

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Der Breivik aus Traun

Am Tag, an dem Anders Behring Breivik in Norwegen 77 Menschen ermordet, greift Johann Neumüller in Traun zum Gewehr, um ein Massaker anzurichten. Die Geschichte eines Terroristen, über den niemand spricht

aus FALTER (49/11)

Am selben Tag, an dem der Norweger Anders Behring Breivik 77 Menschen ermordet, zieht der ehemalige Soldat Johann Neumüller seine Jagdkleidung an, nimmt sein Kleinkalibergewehr und verlässt seine Einzimmerwohnung in Traun, Oberösterreich, um ein Massaker anzurichten.

Jahrelang hat er sich darauf vorbereitet. Er trägt acht Reservemagazine, ein Schwedenmesser, mehrere Taschenlampen, eine Reservebrille, 1415 Euro in Scheinen und fünf mit Hand beschriebene Zettel bei sich, auf denen Sprüche stehen wie “Für ein Österreich NEU“.

Vor seinem Wohnhaus angekommen, schießt Neumüller, 48, der gebürtigen Rumänin Tamara Holocek*, 57, aus fünf Metern Entfernung in den Rücken. Der nächste Schuss trifft ihren Ehemann Andre*, 63. Er steht gerade am Wagen seines Sohnes Adrian, 37, dessen beide Töchter, sieben und fünf, soeben eingestiegen sind. Das Geschoss dringt durch Andre Holoceks linke Achsel in sein Herz ein.

“Er hat auf südländische Art voll gejammert“, wird Neumüller später sagen: “Ich war es ihm vergönnt, und darum schoss ich noch zweimal auf ihn, als er bereits am Boden lag.“

Nach dem dritten Schuss stürzt sich der Sohn des Opfers, Adrian Holocek*, auf den Schützen. Neumüller stößt dem Familienvater die 9,7 Zentimeter lange Klinge seines Messers in die linke Bauchseite. Holocek kann ihm dennoch die Schusswaffe entreißen.

“Warum?“, ruft er immer wieder, ehe die Polizei eintrifft, “warum hast du das getan?“ Als Johann Neumüller kurz vor 22 Uhr festgenommen wird, sagt er nur: “Es hat sein müssen.“ Weiterlesen…

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Und es ward Grün

Vor 25 Jahren zogen erstmals acht Grüne ins österreichische Parlament ein.
Wie beurteilen sie heute ihr Vermächtnis?

aus FALTER 47/11

In der Brust vom Buchner-Sepp schlägt ein grünes Herz. Und die Menschen in Steyregg, wo der Mühlviertler seit 45 Jahren auf dem Stadtamt arbeitet, früher als Gemeindebediensteter, heute als Bürgermeister, die Menschen haben das nicht immer zu schätzen gewusst.

Als der junge Sozialist seinen Genossen in den 1970er-Jahren erstmals sagte, “Leut’, das geht so nimma“, da antworteten sie: “Hoit die Goschn“.

“Die Bäume glänzten wie zu Weihnachten und im Ort kamen Kinder mit gespaltenen Gaumen zur Welt“, erzählt Josef Buchner, 69, heute. Selbst die Genossen wussten, warum: Dioxine und Stickoxide, die der Westwind von der im benachbarten Linz gelegenen Schwerindustrie herüber nach Steyregg wehte, waren schuld. Und als man in Linz und Steyregg merkte, dass der Buchner-Sepp den Mund nicht halten würde, da fragten sie ihn: “Wüst a goldene Uhr?“

Wollte er nicht. Josef Buchner wollte, dass sich auch die Industrie an Regeln hält, er wollte, dass nicht das Geld, sondern die Leut’ regieren, dass der Bürger mitreden kann, wenn es um seine Umwelt geht.

Fragt man Buchner heute, 25 Jahre nachdem er als einer der ersten Grünen ins Parlament eingezogen ist, ob er seinen Willen durchgesetzt habe, antwortet er mit einer Gegenfrage: “Wo ist die Zeit?“

Ein Vierteljahrhundert, so lange ist es an diesem Mittwoch, dem 23. November, her, dass die Österreicher die Grünen mit 4,82 Prozent erstmals ins Hohe Haus wählten. Die acht Abgeordneten – Freda Meissner-Blau, Peter Pilz, Walter Geyer, Manfred Srb, Karel Smolle, Andreas Wabl, Herbert Fux und Josef Buchner – traten mit der Mission an, das Land zu verändern.

Der Schauspieler Fux verstarb vor vier Jahren. Wie die restlichen sieben – eine Aktivistin, ein Parlamentarier, ein Korruptionsstaatsanwalt, ein Behindertenvertreter, ein Slowenenvertreter, ein Aktivist und ein Bürgermeister – heute die Frage nach dem Erfolg dieser Mission beantworten, muss ihren Nachfolgern zu denken geben. Weiterlesen…

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„Keine Karenz, keine Aufregung“

Der in die Kritik geratene ÖVP-Fädenzieher Christoph Ulmer zieht erste Konsequenzen

aus FALTER 47/11

Ob es stimmt, dass er als Beamter des Innenministeriums (BMI)ausgeschieden ist? Die Frage überrascht Christoph Ulmer, unterliege diese Information doch dem Amtsgeheimnis. “Aber ja, es stimmt“, sagt er. “Ich habe Ende Oktober beantragt, meine Karenzierung aufzuheben.“

Die vom Standard aufgedeckte Tatsache, dass der ÖVP-Wahlkampfleiter Ulmer, dem Profil jüngst die zentrale Rolle in einem “Staatskomplott“ zugeschrieben hat, als karenzierter Beamter des BMI geführt wird, sorgte für öffentlichen Wirbel. Immerhin berät Ulmer, einst Kabinettschef von ÖVP-Innenminister Ernst Strasser und heute Geschäftsführer der ÖVP-nahen Werbeagentur Headquarter, das Innenressort seit dem Jahr 2010 in strategischen Fragen.

Der Grünen-Sicherheitssprecher Peter Pilz etwa sprach von einem “Skandal“: “Beamte machen als Private mit ihrem eigenen Ministerium Geschäfte und führen dann Wahlkämpfe für die Partei ihrer Ministerin.“

Ein Sprecher des BMI bestätigt die Aufhebung von Ulmers Beamtenverhältnis. Der Beratervertrag zwischen ihm und dem BMI sei bis auf weiteres auf Eis gelegt.

Ulmer selbst beteuert, nie die Absicht gehabt zu haben, ins BMI zurückzukehren. “Wo es keine Karenz gibt“, sagt Ulmer, “kann es auch keine Aufregung darüber geben.“

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